Berlin, mal wieder – Kultur, Geschichte und ein runder Geburtstag

Berlin, mal wieder! Diesmal mit Kultur satt, Geschichte zum Nachdenken und einer Geburtstagsparty zum Abtanzen. Drei Tage, drei Welten – und Berlin kann’s immer noch! 😎

Berlin, mal wieder. Diesmal allerdings mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Kultur und Geschichte – und natürlich mit einem ganz besonderen Anlass: dem runden Geburtstag einer guten Freundin. Drei Tage, die ziemlich vollgepackt waren: viel gesehen, viel gelernt, viel gefeiert, viel gegessen und vor allem viele gute Gespräche geführt.

Wie immer beziehen wir mit unserem Womo unseren vertrauten Stellplatz am Gesundbrunnen. Man kennt sich inzwischen, wir bekommen einen schönen Platz zugewiesen – allerdings mit einer Warnung: Die Raben- und Rattenplage habe deutlich zugenommen. Na dann: Welcome to Berlin!

Bode-Museum – Kunst trifft deutsche Geschichte

Unser erstes Kulturziel ist das Bode-Museum auf der Museumsinsel. Schon das Gebäude selbst ist beeindruckend: Die neobarocke Architektur mit ihrer großen Kuppel, den prachtvollen Sälen und der Basilika macht den Museumsbesuch schon zu einem Erlebnis.

Eröffnet wurde das Haus 1904 noch unter dem Namen Kaiser-Friedrich-Museum. Konzipiert wurde es als eine Art Gesamtkunstwerk, in dem Skulpturen, Gemälde und Kunsthandwerk einer Epoche gemeinsam präsentiert werden sollten – eine Idee des damaligen Museumsdirektors Wilhelm von Bode. Heute beherbergt das Museum vor allem die Skulpturensammlung, das Museum für Byzantinische Kunst und das Münzkabinett. Zu sehen sind Werke vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert, darunter bedeutende italienische und deutsche Skulpturen sowie spätantike und byzantinische Kunst.

Auch die Geschichte des Hauses ist eng mit der Geschichte Berlins verbunden. Der Zweite Weltkrieg hinterließ schwere Schäden, die deutsche Teilung teilte anschließend auch die Sammlungen. 

Ein besonderes – und zeitlich begrenztes – Hightlight: das Porträt von Angela Merkel. Noch bis zum 4. Oktober 2026 ist hier das offizielle Porträt der ehemaligen Bundeskanzlerin zu sehen. Der französisch-deutsch-kanadische Künstler Jérémie Queyras hat das 2026 fertiggestellte Bild gemalt. Danach wird es seinen endgültigen Platz in der Porträtgalerie der Bundeskanzler im Bundeskanzleramt bekommen.

Irgendwie ein bemerkenswerter Moment: Ausgerechnet in diesem altehrwürdigen Museum, zwischen jahrhundertealter europäischer Kunst, begegnet uns ein Stück ganz junge deutsche Geschichte.

Berliner Dom – viel größer, schöner und geschichtsträchtiger als erwartet

Danach geht es nur ein paar Schritte weiter zum Berliner Dom. Und der überrascht mich wirklich.

Die Geschichte des Berliner Doms reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Der heutige Bau entstand allerdings erst Ende des 19. Jahrhunderts und wurde 1905 eingeweiht. Architekt war Julius Carl Raschdorff. Der monumentale historistische Bau sollte unter Kaiser Wilhelm II. ein repräsentatives Zentrum des deutschen Protestantismus werden und zugleich die enge Verbindung von preußischem Königtum, Kaiserhaus und evangelischer Kirche sichtbar machen.

Und dann die Geschichte, die dieses Gebäude in sich trägt: Kaiserreich, Erster Weltkrieg, Ende der Monarchie, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Zerstörung und schließlich Wiederaufbau. 1944 wurde der Dom schwer beschädigt. Erst 1993 konnte er nach jahrzehntelangem Wiederaufbau wieder als Kirche genutzt werden.

Ich mache die Führung mit dem Audioguide, und die ist richtig gut. Sie führt durch die Predigtkirche, die Tauf- und Traukirche, das Dommuseum, die Kuppel und die Hohenzollerngruft und verbindet Architektur, Kunst und Geschichte sehr anschaulich.

Ich bin ehrlich gesagt beeindruckt. Von der Größe, der Ausstattung, der Geschichte – und davon, wie viel deutsche Geschichte sich an diesem einen Ort ablesen lässt.

Ein runder Geburtstag in der Villa

Am Abend dann der komplette Kontrast zum Kulturprogramm: Geburtstagsparty!

Eine wunderschöne Villa im Grunewald, fantastisches Essen, spannende Gäste und jede Menge gutes Entertainment. Es wird gegessen, getrunken, erzählt und gelacht. Wir treffen interessante Menschen, führen schöne Gespräche und genießen einfach diesen besonderen Abend.

Ein wunderbarer Abend – und ein toller Rahmen für einen runden, sehr gelungenen Geburtstag. Danke an Carolin.

Das Bayerische Viertel in Berlin-Schöneberg – Geschichte, die unter die Haut

Am nächsten Tag wird es wieder historisch, diesmal allerdings auf eine ganz andere und sehr viel bedrückendere Weise.

Wir haben eine private Führung durch das Bayerische Viertel in Schöneberg. Unser Freund, selbst Historiker, führt „die Geburtstags-Truppe“ zwei Stunden lang durch das Viertel und erzählt von seinen jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern und von dem, was nach 1933 geschah. Hier wohnten u.a. Erich Fromm, Albert Einstein, Kurt Tucholsky, Else-Lasker-Schüler. 

Das Bayerische Viertel war einst ein bürgerliches Wohnviertel mit einem besonders hohen Anteil jüdischer Bevölkerung. In Schöneberg lebten 1933 mehr als 16.000 Menschen jüdischen Glaubens. Viele von ihnean wohnten im Bayerischen Viertel. Nach 1933 begann Schritt für Schritt ihre Ausgrenzung und Entrechtung; viele emigrierten, andere wurden deportiert und ermordet.

Besonders eindringlich sind die „Orte des Erinnerns“: 80 Tafeln, die im Viertel verteilt sind. Auf ihnen stehen antisemitische Verordnungen und Verbote aus der NS-Zeit – Dinge, die zunächst geradezu absurd banal wirken und gerade deshalb so erschütternd sind. Sie zeigen, wie die Entrechtung im Alltag begann und sich Schritt für Schritt bis zu Vertreibung, Deportation und Ermordung steigerte.

Die zwei Stunden beeindrucken uns sehr – und sie bedrücken uns. Geschichte bekommt hier plötzlich eine Adresse, eine Straße, ein Haus. Und damit Gesichter.

Danach sitzen wir noch in privater Runde zusammen, trinken etwas, essen ein paar Snacks und lassen die vielen Eindrücke langsam sacken.

Ein wunderbarer Abschluss eines intensiven Berlin-Aufenthalts: drei Tage zwischen Kunst, deutscher Geschichte, einer rauschenden Geburtstagsfeier und sehr persönlichen Begegnungen.

Berlin, mal wieder. Und diesmal haben wir die Stadt von sehr unterschiedlichen Seiten erlebt.

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