Ein kurzer Abstecher ins Landesinnere – und plötzlich mitten in einer anderen Welt: rauer, höher, stiller. Der Gebirgszug „Picos de Europa“ fühlt sich an wie ein kleiner Ausbruch aus dem sonst so sanften Norden Spaniens.
Mit dem Bergdorf Potes haben wir uns ein kleines Basislager mitten in den Bergen ausgesucht – und besser hätte es kaum passen können. Ein terrassenförmig angelegter Campingplatz, rundherum nichts als Natur: grüne Hügel, schroffe Gipfel und mittendrin Kühe, Pferde und Schafe, die hier ganz selbstverständlich zum Landschaftsbild gehören. Genau die richtige Mischung aus Postkartenmotiv und echter Ruhe.
Aber woher kommt eigentlich der Name Picos de Europa?
Die gängigste Erklärung führt zurück zu den Seefahrern: Für viele, die aus Amerika zurück nach Europa segelten, waren diese Berge oft das erste Stück Land, das sie sichteten – lange bevor der Rest des Kontinents auftauchte. Die hellen Kalkstein-Gipfel leuchteten schon von Weitem und wurden so zu einer Art „Willkommensschild“ Europas. Daher der Name: die „Gipfel Europas“.
Historisch war die Region lange schwer zugänglich und dadurch ein Rückzugsort – nicht zuletzt während der Reconquista. Abgelegene Täler, steile Felsformationen und kleine Dörfer machten die Gegend widerstandsfähig und eigenständig. Dieses Gefühl von Abgeschiedenheit spürt man bis heute.
Und was gäbe es zu sehen, wenn man mehr Zeit mitbringt? Eine ganze Menge:
Spektakuläre Bergpanoramen, tiefe Schluchten wie die Desfiladero de la Hermida, alpine Wanderwege für jedes Level und mit der Seilbahn von Fuente Dé geht’s ziemlich entspannt hoch hinaus in hochalpine Landschaft. Dazu kommen kleine Bergdörfer, traditionelle Käsereien (Stichwort: Cabrales) und immer wieder diese Ausblicke, bei denen man automatisch langsamer wird.
Auch wenn uns, die schon mehrfach Alpen und Südtirol bereist haben, vieles „als bereits gesehen erscheint“ war es ein lohnenswerter Abstecher in die spanische Bergwelt der „2.000er-Gipfel“.
Ein kleines Highlight in Potes war der wöchentliche Markt: bunt und authentisch. Zwischen regionalen Spezialitäten und handgemachten Produkten konnten wir den zahlreichen Käsesorten einfach nicht widerstehen – allen voran die kräftigen, typisch asturisch-kantabrischen Varianten wie der berühmte Queso de Cabrales. Sagen wir so: Der Rückweg zum Camper war definitiv etwas schwerer als der Hinweg.

