Sareemaa: Estlands große Insel mit weitem Himmel

Inselglück auf Estnisch: Saaremaa. Weite, Wind, kreative Orte und eine Eiche mitten auf dem Fußballfeld. Von Yachthafen bis Festivalwiese – wir hätten länger bleiben können.

Saaremaa ist die größte Insel Estlands – abgeschieden und gleichzeitig voll von Geschichten. Über Jahrhunderte war sie strategisch begehrt: Dänen, Schweden, Deutsche, Russen – sie alle hinterließen Spuren. Heute wirkt die Insel wie eine Mischung aus Nordseeküste, baltischer Gelassenheit und estnischer Kreativkraft. Hier trifft Kalkstein auf Kiefern, Windmühlen auf Moor, Natur auf neue Ideen. Die Straßen sind leer, der Himmel weit – und die Uhren gehen ein bisschen langsamer.

Kuressaare – Segel, Schloss und ein Stellplatz am Hafen

Die Inselhauptstadt ist ein sympathischer Mix aus Städtchen und Seeidylle. Wir übernachten direkt am kleinen Yachthafen, fußläufig zur überschaubaren, aber netten Innenstadt. Überraschend groß und mächtig die gotische Bischofsburg Arensberg, ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert. 

Sääre – am südlichsten Zipfel der Insel

Ganz am Ende der Insel – wortwörtlich – steht der Leuchtturm von Sääre, der 1770 erbaut, im 1. Weltkrieg zerstört und 1960 an gleicher Stelle wieder errichtet wurde. Wind, Wellen, ein bisschen Wildcampen. Nicht spektakulär, aber relaxt und einfach schön. Ein schönes Plätzchen, traumhafter Sonnenuntergang inklusive.

Panga Pank – Sightseeing Klippe, welche Klippe?  

Die bekannte Kalkstein-Steilküste „Panga Pank“ ((nur) 20 m hoch) wird viel empfohlen – uns konnte sie nicht überzeugen. Vielleicht lag es am Licht, am Timing oder an unserer Stimmung – jedenfalls machten wir uns schnell wieder auf den Weg, zum nächsten Zielort.

Orissaare – kreativ, frei & ein bisschen verrückt

Unser Highlight auf Saaremaa: ein kreativ-chaotisches, aber sehr charmantes Areal direkt am ehemaligen Fährhafen von Orissaare. Zwischen Sauna am Wasser, Strandbar, Boule, Slackline, Kunstinstallationen und Lagerfeuer steht hier ein Ort, der Unabhängigkeit atmet.

Tiny Houses, Zeltareale, ein bisschen Glamping, ein bisschen Freistehen – eine charmant-ungeordnete Mischung, getragen von einem motivierten jungen Team. Und einmal im Jahr wird’s hier laut: „Island Sound“ – das Musikfestival direkt am Meer. Wir haben es leider verpasst. 

Wir kamen für eine Nacht und blieben über eine Woche. Mit Sturm, Wind und viel Sonne. Und dem Gefühl, angekommen zu sein. 

Kuriosum in Orissaare! Und dann war da noch diese Eiche mitten auf dem Fußballplatz. Kein Scherz – die Spieler umdribbeln sie einfach. Der Baum wurde sogar als „Europäischer Baum des Jahres“ ausgezeichnet. Ein schönes Bild für diesen besonderen Ort: verwurzelt, widerspenstig und irgendwie ganz eigen.

Der Campingplatzbetreiber erzählte uns noch, dass keine der gegnerischen Mannschaften Lust auf ein Match hat. Denn das Fußballteam von Orissare setzt ihre Eiche mittlerweile so gut als 12. Spieler ein, dass Orissare zumeist als Sieger hervorgeht. Nur einmal trat die Nationalmannschaft von Estland an und gewann 2:0! Herrlich! 

Teil's bitte gerne:

Dazu empfehlen wir...