Manchmal reicht ein kleiner Richtungswechsel – und plötzlich fühlt sich alles anders an. Abseits der Küste entdecken wir ein Spanien, das ruhiger, ursprünglicher und überraschend berührend ist. Wir nehmen euch mit in die Uni-Stadt Murcia und die Badlands „Barrancos de Gebas“.
Nach unseren eher durchwachsenen Erfahrungen an der Mittelmeerküste wächst langsam ein Gedanke: Vielleicht liegt das eigentliche Spanien gar nicht am Meer.
Murcia ist dann der erste Beweis dafür. Ohne große Erwartungen kommen wir an – und sind ziemlich schnell begeistert. Eine lebendige Universitätsstadt, eine richtig schöne Altstadt, viel Atmosphäre, viele junge Leute. Alles fühlt sich leicht an, unaufgeregt und gleichzeitig voller Leben. Genau so ein Ort, den man nicht unbedingt auf dem Schirm hat – und der einen dann umso mehr überrascht.
Besonders sehenswert: Catedral de Murcia (Mix aus Gotik, Renaissance und barock), Real Casino de Murcia mit prunkvollen Sälen, der Plaza de las Flores – viele kleine Bars, Tapas und Vino tinto unter Einheimischen. Ideal für entspanntes schlendern an der Uferpromenade des Rio Segura.
Fazit: keine „klassische Must-see-City“ – aber genau deshalb so angenehm. Murcia fühlt sich nicht wie ein Programmpunkt an, sondern wie ein Ort, an dem man einfach gerne ein bisschen bleibt.
Und dann kommt der komplette Szenenwechsel.
Die Barrancos del Gebas wirken, als hätte jemand die Landschaft einmal komplett neu gedacht. Karg, rau, fast surreal – ein bisschen wie eine Mischung aus Wüste und zerklüfteter Mondlandschaft. Einer dieser Orte, an denen man einfach stehen bleibt, schaut und denkt: Wie kann das bitte noch Spanien sein? Tatsächlich werden diese Badlands mit Utah/USA oder „Klein-Island“ verglichen.
Wir übernachten dort frei, mitten in dieser besonderen Kulisse – und genau hier entstehen die Begegnungen, die diese Reise so besonders machen.
Da ist die deutsche Camperin, allein unterwegs mit ihrem Hund – seit 5 Nächten nahezu allein in den Badlands. Sie sei ohne „Angst-Gen“ meint sie, weshalb sie oft auch nachts alleine durch den Wald spazieren geht. Ohne Angst. Einfach so. Wir hören zu und denken: Respekt.
Und dann ist da noch die Spanierin in ihrem kleinen, dennoch geräumigen Campervan. Während wir noch versuchen, unseren Alltag halbwegs organisiert zu bekommen, nutzt sie ihren Raum für etwas ganz anderes: Tanzsessions. Mitten in dieser kargen Landschaft. Kopfhörer auf, Musik an, einfach loslegen. Lebensfreude auf vier Rädern.
In solchen Momenten merkt man, dass Reisen viel mehr ist als Orte abhaken. Es sind genau diese Begegnungen, die bleiben.
Und genau dort, abseits der klassischen Routen, beginnt es dann: dieses andere Spanien. Ruhiger, wilder, echter – und für uns genau das, was wir gesucht haben.

