Manchmal entscheidet das Wetter mit. Im Baskenland offenbar ziemlich gerne. Zwischen spektakulären Felsformationen in Zumaia und verregneten Altstadtgassen in Donostia / San Sebastián war diesmal alles dabei – außer trockene Schuhe.
Zumaia & Flysch – die spektakulärste Steinschichtung Europas
Zumaia wirkte ziemlich ruhig. Fast unscheinbar. Bis man an die Küste kommt.
Dort liegt der sogenannte Flysch – eine bizarre Felslandschaft aus schräg geschichteten Gesteinsplatten, die aussieht, als hätte jemand gigantische Steinseiten ins Meer geklappt. Tatsächlich erzählen diese Formationen rund 60 Millionen Jahre Erdgeschichte. Jede Schicht steht für unterschiedliche Klima- und Umweltbedingungen vergangener Zeiten. Für Geologen ein Paradies. Für alle anderen: einfach komplett beeindruckend.
Für Alle, die mehr wissen wollen: Die Flyschküste rund um Zumaia gehört geologisch zu den spannendsten Orten Europas. Was heute aussieht wie riesige, schräg ins Meer geschobene Steinplatten, ist tatsächlich ein mehrere Millionen Jahre altes „Geschichtsbuch der Erde“.
Die markanten Gesteinsschichten entstanden über einen Zeitraum von rund 60 Millionen Jahren. Damals lag hier noch ein tiefes Meer, auf dessen Grund sich über Jahrmillionen hinweg abwechselnd harte Kalkschichten und weichere Tonsedimente ablagerten. Durch die Bewegung der Erdplatten wurden diese Schichten später angehoben, gefaltet und vom Atlantik freigelegt.
Genau dadurch entstand die heute so typische Flysch-Landschaft: lange parallele Felsrippen, scharfkantige Linien und gigantische Steinplatten, die aussehen, als hätte jemand sie bewusst in den Ozean geschoben. Besonders beeindruckend ist, wie klar man die einzelnen Erdzeitalter regelrecht „ablesen“ kann.
Die Küste bei Zumaia ist deshalb nicht nur schön, sondern auch wissenschaftlich extrem bedeutend. Internationale Geologen nutzen die Felsformationen sogar als Referenzpunkt für die Erforschung verschiedener Erdzeitalter und Klimaänderungen. Einige Schichten liefern Hinweise auf das Massenaussterben der Dinosaurier vor etwa 66 Millionen Jahren.
Und trotz aller Wissenschaft bleibt der Eindruck vor Ort vor allem eins: surreal. Wenn die Wellen über die dunklen Felsplatten rollen und sich die Linien kilometerweit entlang der Küste ziehen, wirkt die Landschaft fast wie von einem anderen Planeten.
Besonders bekannt ist der Flysch an der baskischen Küste rund um Geoparque de la Costa Vasca auch deshalb, weil hier Szenen für Game of Thrones gedreht wurden. Verständlich – die Landschaft wirkt stellenweise wirklich nicht ganz von dieser Welt.
Zum Glück hielt das Wetter genau während unseres Besuchs halbwegs durch. Der Wind blies ordentlich und passte irgendwie zur Landschaftsszenerie.
San Sebastián – diesmal eher nass statt glamourös
San Sebastián – oder auf baskisch: Donostia – gilt als einer der großen Stars Nordspaniens.
Berühmt für die elegante Bucht, die Altstadt, unzählige Pintxos-Bars und eine absurd hohe Dichte an Sternerestaurants. Kaum eine Stadt verbindet lässige Atlantikstimmung und Spitzenküche so selbstverständlich.
Nur leider: diesmal mit Dauerregen, Wind und Temperaturen irgendwo zwischen „frische Brise“ und „warum haben wir keine Winterjacken dabei?“.
Schade eigentlich. Denn selbst im schlechten Wetter konnte man erahnen, warum Donostia so gefeiert wird. Die Stadt hat Stil, ohne geschniegelt zu wirken. Edel, aber entspannt. Und vermutlich einer dieser Orte, die bei Sonne komplett aufdrehen.
Die berühmten Pintxos-Bars? Die meisten gut gefüllt. Die Basken lassen sich von Wetter offenbar grundsätzlich nicht beeindrucken.
Wir waren mit dem Zug von Zumaia aus angereist, da es in Donostia/ San Sebastian, leider an Stellplätzen mangelt und auch die Womo- Einbruchquote sehr hoch ist (sagt man). Eine gute Entscheidung den Zug zu nehmen: günstig und pünktlich. Sind wir ja von der Deutschen Bahn nicht so gewohnt.
